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FAQ zur Gründung einer Gesellschaft für Startups

Was heißt eigentlich "Gründung einer Gesellschaft"?

Am Anfang der Gründung steht die Frage, in welcher Rechtsform Sie Ihr Geschäft betreiben wollen. Die Entscheidung hat weitreichende Folgen für die "Verfassung" Ihres Unternehmens. Diese hat entscheidenden Einfluss darauf, in welchem Verhältnis die Gründer zueinander stehen, wie die Haftung der Gesellschafter ausgestaltet ist, wer die Geschäftsführung übernimmt und auf welche Art und Weise Kapital beschafft werden kann. Das deutsche Recht bietet eine Fülle verschiedener Rechtsformen. Ein kleiner Überblick: 

Einzelkaufmann oder Gesellschaft?

 

Sie müssen nicht formal "gründen"! Sie können auch einfach loslegen. Wenn Sie das tun, wird das Finanzamt sie als Einzelkaufmann qualifizieren, wenn Sie keinen freien Beruf (Arzt, Rechtsanwalt, Designer etc.) ausüben. Wenn Sie sich formlos mit anderen zusammentun, haben Sie auch ohne schriftlichen Vertrag eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet. Die meisten Start-ups sind in der Anlaufphase als GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) zu qualifizieren. Der Begriff "Gesellschaft" bedeutet im Kern, dass sich mindestens zwei natürliche und/oder juristische Personen zur Erreichung eines gemeinsamen Zweckes zusammenschließen. Allerdings ist das eigentlich nur (noch) bei der Personengesellschaft der Fall, da es bei Kapitalgesellschaften auch Gesellschaften gibt, bei denen nur eine natürlich oder juristische Person Gesellschafter ist (z.B. bei einer Founder-UG). Daher ist der Begriff Rechtsform besser, denn es geht darum, in welcher Form der Gründer wirtschaftlich handelt. 

Was ist eine Personengesellschaft?

Die GbR ist eine Personengesellschaft. Andere Personengesellschaften sind die offene Handelsgesellschaft (OHG) und die Kommanditgesellschaft (KG). Auch die GmbH & Co. KG ist im Kern eine KG und damit eine Personengesellschaft.  
 
Was ist der Unterschied zwischen einer Personen- und einer Kapitalgesellschaft?
Eine Kapitalgesellschaft ist eine eigenständige, von Veränderungen im Gesellschafterkreis unabhängige, juristische Person, die selbst Verträge schließt, selbst Körperschaftssteuer schuldet und deren Haftung auf das Vermögen der Gesellschaft begrenzt ist. Im Gegensatz dazu sind Personengesellschaften in ihrer Existenz abhängig vom Bestand ihrer Gesellschafter, die grundsätzlich mit ihrem privaten Vermögen für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft haften und das Einkommen der Gesellschaft auf persönlicher Ebene versteuern.
Was ist eine Kapitalgesellschaft bzw. eine juristische Person?
Kapitalgesellschaften sind immer juristische Personen. Allerdings sind auch Vereine juristische Personen. Auch der Staat selbst sowie die einzelnen Bundesländer sind juristische Personen des öffentlichen Rechts. Eine Kapitalgesellschaft kann selbst Träger von Rechten und Pflichten sein und ist auch selbst einkommensteuerpflichtig. Man kann es sich wie eine selbständige Person vorstellen, die durch ihre Organe, d.h. ihren Geschäftsführer bzw. Vorstand, ihre Gesellschafterversammlung bzw. Aktionärsversammlung oder ihren Aufsichtsrat bzw. Beirat handelt.
Personengesellschaft oder Kapitalgesellschaft gründen?
In späteren Phasen gründen alle Startups eine Kapitalgesellschaft - meist (zumindest zunächst) eine UG oder GmbH. Die Kapitalgesellschaft muss Jahresabschlüsse machen und im Bundesanzeiger veröffentlichen, Sie braucht eine eigene Finanzbuchhaltung und muss eigene Steuererklärungen abgeben. Für sehr kleine Gesellschaften gehen damit im Vergleich zu einer Personengesellschaft zusätzliche Verwaltungskosten in vierstelliger Höhe einher. Die juristische Person ist „Person“ im Rechtssinn – also ein eigener Rechtsträger, der selbst Verträge schließt. Dies hat für Sie den Vorteil, dass für Schulden der Gesellschaft in erster Linie die Kapitalgesellschaft haftet (sog. Haftungsschirm). Eine Kapitalgesellschaft ist auch dann sinnvoll, wenn Sie nicht ausschließen können, dass Sie Ihr Unternehmen oder Anteile daran, später einmal verkaufen wollen. Besteht der wirtschaftliche Wert eines Unternehmens darin, dass das Unternehmen mit einer Vielzahl von Kunden in Vertragsbeziehungen steht, so ist „der Verkauf“ dieser Vertragsbeziehung ohne Zustimmung der jeweiligen Kunden nur über den Verkauf der Anteile an einer Kapitalgesellschaft möglich.
GmbH oder UG gründen?
Die so genannte Unternehmergesellschaft (UG) ist nach deutschem Recht eine Variante der GmbH – keine eigene Rechtsform. Der Unterschied liegt allein im geringeren Mindeststammkapital – also dem Betrag, den die Gesellschafter der Gesellschaft als Haftsumme bei der Gründung zur Verfügung stellen müssen. Bei der GmbH beträgt das Mindeststammkapital 25.000 Euro. Eine UG kann schon mit einem Euro gegründet werden. Da den Vertragspartnern der UG dann nur ein sehr geringer Haftungsbetrag zur Verfügung steht, lautet die vollständige Firmierung der UG „UG (haftungsbeschränkt)“. Dieser Rechtsformzusatz beinhaltet demnach einen gewissen Makel, was durchaus gewollt ist, so dass die UG eher als Übergangsrechtsform auf halben Weg zur GmbH anzusehen ist. 

GmbH oder Aktiengesellschaft (AG) gründen? 

Der Vorteil der AG gegenüber der GmbH bzw. UG liegt vor allem darin, dass ihre Anteile einfacher – nämlich durch privatschriftlichen Vertrag – übertragbar sind. Die AG hat zudem ein gutes Image, da sie in Deutschland eher für große, börsennotierte Unternehmen steht. Sie ist aber im Vergleich zur GmbH bzw. UG deutlich aufwändiger zu verwalten. So weist die AG eine dreigliedrige Organisationsstruktur auf: Vorstand; Aufsichtsrat und Hauptversammlung. Verglichen mit der zweigliedrigen GmbH (Geschäftsführung und Gesellschafterversammlung) ist demnach zusätzlich ein Aufsichtsrat zu etablieren und ggf. zu vergüten. Die AG ist außerdem wesentlich starrer und überlässt den Gesellschaftern ein geringeres Maß an Gestaltungsfreiheit, den Rechtsrahmen durch die Satzung auf ihre Bedürfnisse zuzuschneiden. Der Vorstand einer Aktiengesellschaft kann, anders als bei der Geschäftsführer einer GmbH nicht jederzeit, sondern nur aus wichtigem Grund abberufen werden. Das Grundkapital beträgt 50.000 Euro gegenüber einer Mindeststammkapital von 25.000 bei der GmbH. Es ist ein Aufsichtsrat zu etablie-ren, der den Vorstand bestellt und kontrolliert. Diesen Aufwand sollte man keinesfalls unterschätzen. Vorteile bietet die AG dagegen bei der Kapitalausstattung der Gesellschaft: An die Börse kommt man nur mit einer AG (bzw. einer KGaA) und auch Mitarbeiterbeteiligungsprogramme sind bei der AG einfacher darstellbar. Nur wenn derartige Ziele schon im Gründungszeitpunkt konkret geplant sind, empfiehlt sich die initiale Gründung einer AG. In allen anderen Fällen ist die GmbH in der Start-up-Phase zunächst die Rechtsform der Wahl.

Wann gründen?

Die Gründung einer Kapitalgesellschaft sollte dem Abschluss der ersten maßgeblichen Verträge vorausgehen. Vor der Gründung der Kapitalgesellschaft abgeschlossene Verträge werden nämlich einem einzelkaufmännsichen Unternehmen bzw. einer GbR zugeordnet und müssen dann ggf. gekündigt und für die Kapitalgesellschaft neu abgeschlossen werden oder es ist eine Umwandlung erforderlich. Zudem droht der Steuerrechtstatbestand der Betriebsaufgabe, wenn in der GbR schon Werte geschaffen werden und die GbR anschließend wieder geschlossen wird. Diesen Aufwand gilt es zu vermeiden – Mittel der Wahl ist die frühzeitige Gründung einer UG.

Leistungen von Anwälten zum Thema Gründung

Beratung zur Rechtsformwahl

Gründung einer GbR

Erstellung einer Satzung für eine GmbH

Erstellung einer Gesellschaftervereinbarung für eine GmbH

jusmeum-Bereichsleiter
Venture Capital & Startups

Rechtsanwalt Dr. Timo Ehmann

Weitnauer Rechtsanwälte PartnerG mbB

80802 München